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Haushaltsrede Uwe Meyer

Freie Bürgervereinigung Gernsbach

Bemerkung zum Haushaltsentwurf 2007

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen Gemeinderäte, meine sehr verehrten Damen und Herren,
wenn man den Verlautbarungen der Bundes- und Landespolitik Glauben schenken darf, dann sollen auf die vergangenen 7 mageren Jahre nun 7 fette Jahre folgen.

Freie Bürgervereinigung Gernsbach

Bemerkung zum Haushaltsentwurf 2007

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen Gemeinderäte, meine sehr verehrten Damen und Herren,

wenn man den Verlautbarungen der Bundes- und Landespolitik Glauben schenken darf, dann sollen auf die vergangenen 7 mageren Jahre nun 7 fette Jahre folgen.

Alle aktuellen Konjunkturdaten sprechen dafür. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem robusten Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt lag in 2006 um 2,5% über dem des Vorjahres.

Die deutschen mittelständischen Betriebe schätzen ihre Geschäftslage in diesem Jahr ähnlich gut ein wie zu Zeiten des Wiedervereinigungsbooms 1991. Gleiches gilt für die Großindustrie. Erstmals seit 2001 sollen in diesem Jahr wieder zusätzliche Stellen in nennenswertem Umfang geschaffen werden. Im November 2006 sank die Zahl der Arbeitslosen unter die 4-Millionen-Grenze. Erfreuliche Zahlen!

Wichtig für uns:
Welche Auswirkungen hatte dies im Haushaltsjahr 2006 auf die Finanzsituation der Stadt Gernsbach?

Die höheren Gewerbesteuereinnahmen von voraussichtlich 6,5 Mio. Euro anstatt der geplanten 4,2 Mio. Euro, sowie andere positive Entwicklungen auf der Einnahmeseite, führten zu einer Zuführungsrate vom Verwaltungshaushalt in Höhe von 3 Mio. Euro. Trotz nicht realisierter Grundstückserlöse in Höhe von 250 Tsd. Euro, konnte statt der geplanten 1,3 Mio. Euro Kreditaufnahme nun 1 Mio. Euro der Allgemeinen Rücklage zugeführt werden.

Die Schulden konnten im 5ten Jahr in Folge reduziert werden. Sie lagen zum 31.12.06 bei 12,5 Mio. Euro (=855 €/Einwohner).

Das hört sich alles sehr gut an, aber die für uns entscheidende Frage lautet: Was bringt das Jahr 2007?

Welche Unwägbarkeiten in der Veranschlagung der Gewerbesteuer enthalten sind haben wir in den Jahren 2000 und 2001 erfahren. Ich kann mich auch noch gut an die Diskussion der letztjährigen Haushaltsberatungen entsinnen, als die veranschlagten 4,2 Mio Euro aus den Reihen des GR als pessimistische Annahme eingeschätzt wurden. Für 2007 sind 5 Mio Euro Gewerbesteuereinnahmen angesetzt.

Die Freien Bürger sehen hier noch Potential nach oben!

Nach den schwierigen Jahren 2000-2005 fürwahr eine positive Entwicklung.

Herr Bürgermeister, sie haben den Planentwurf als einen Haushalt bezeichnet, der den Aufgaben und der Struktur der Stadt gerecht wird.

Bezogen auf das Volumen der Investitionen im Vermögenshaushalt: Einverstanden! Bezogen auf die Finanzierung dieser Maßnahmen jedoch können die Freien Bürger den Haushaltsplan so nicht mittragen.

Eine Erhöhung der Nettoneuverschuldung um 1,267 Mio. Euro ist mit uns nicht zu machen. Wir haben es in den vergangenen Jahren geschafft auf Kredite zu verzichten, so sollte es uns dieses Jahr wenigstens gelingen eine Neuverschuldung zu vermeiden.

Aufgrund der misslichen Finanzsituation der vergangenen Jahre kam es wie in vielen anderen Gemeinden zu einem Investitionsstau. Viele Maßnahmen mussten aufgeschoben werden, da die Finanzierung nicht gesichert war.

Dennoch konnten trotz finanzieller Engpässe auch viele Aufgaben erledigt werden:

  • Erschließung von Baugebieten (Pflasteräcker, Hubengarten, Obere Schlosswiesen)

  • Neubau von Sportplätzen (Hockeyplatz, Hartplatz FCG und SVS). Hier ist das besondere Engagement der jeweiligen Vereine, die durch Eigenleistung und maßgebliche finanzielle Beteiligung diese Projekte überhaupt erst möglich gemacht haben, besonders herauszuheben und für andere Bereiche als beispielhaft zu betrachten.

  • Erhalt der Ortsteilbäder in Lautenbach, Reichental und Obertsrot durch die Arbeit der Schwimmbadinitiativen

  • Finanzierungskonzept Infozentrum Kaltenbronn

Diese aufgeführten Objekte wurden vor wenigen Jahrzehnten noch selbstverständlich von den Kommunen getragen. Heute, aufgrund der nicht angemessenen Finanzausstattung, ist die Einrichtung und der Erhalt von Infrastruktur nur durch alternative Finanzierungsmodelle oder durch ehrenamtliches Engagement zu erreichen. Wir sind in Gernsbach in der glücklichen Lage, dass es zahlreiche Bürger gibt, die ihre Zeit und Energie für die Allgemeinheit erbringen. Dieses Engagement muss auch weiterhin gestärkt und unterstützt werden.

Es stehen dennoch viele Investitionen an die in den kommenden Jahren erledigt werden müssen, um unsere Stadt, um Gernsbach, „ Fit für die Zukunft" zu machen. Da wir auf der Einnahmenseite nicht mit maßgeblichen Verbesserungen rechnen können, müssen wir alle Möglichkeiten nutzen die Ausgaben zu reduzieren, um uns den Spielraum für notwendige Zukunftsinvestitionen zu erhalten.

Kommen wir zum Verwaltungshaushalt:
Trotz der erfolgreichen Bemühungen der Haushaltsstrukturkommission , den Haushalt der Stadt zu konsolidieren, konnte nicht verhindert werden, dass die Ausgaben im Verwaltungshaushalt jährlich regelmäßig steigen:

Zum Beispiel:

  • die Personalausgaben aufgrund tariflicher oder gesetzlicher Regelungen
  • die Unterhaltung unseres Vermögens aufgrund gestiegener Kosten (z.B. Energiekosten 60Tsd. Euro höher als im Vorjahr)

Bereits bei der Beratung des Haushalts 2006 wurde die Reduzierung der Personalkosten thematisiert. Herr Bürgermeister, Sie machten uns die Zusage, die Ergebnisse des Optimierungsprozesses in die Haushaltsstrukturkommission mit dem konkreten Ziel des Stellenabbaus einzubringen. Dies ist bis zum heutigen Tag nicht erfolgt. Daher fordern wir nochmals nachdrücklich, dieses Thema schnellstmöglich auf die Tagesordnung zu bringen.

Wir haben hier im Rat beschlossen, die Wirtschaftskraft der Stadt Gernsbach zu fördern und die Attraktivität der Stadt zu steigern.

Die Wirtschaft steht im harten Wettbewerb, auch die Verwaltung der Stadt Gernsbach muss sich dem Wettbewerb stellen. Der Bürger muss dieses durch günstigere Konditionen selbst erfahren. Wir brauchen daher mehr Transparenz bei den Aktivitäten der Stadt.

Die realistische Chance bietet sich jetzt durch die Neufassung der Verwaltungsgebühren zum 01.01.2007, die erstmals auf konkreten Kalkulationen beruhen. Auf dieser Grundlage werden die Freien Bürger in Kürze durch einen Antrag den Prozess zur Optimierung der Verwaltungskosten mit klarer Zielsetzung und periodischer Berichterstattung neu anstoßen. Wir hoffen dabei auf die Mitwirkungsbereitschaft der anderen Fraktionen und insbesondere der Verwaltung. Wir wollen die Stadtverwaltung weiterentwickeln zur effektivsten Verwaltung vergleichbarer Städte. Das Ziel muss sein, alle kommunalen Aufgaben bürgerfreundlich und wirtschaftlich optimal zu erfüllen. Ich darf Sie alle auffordern, diesen Weg mit uns zu beschreiten.

Kommen wir zum Vermögenshaushalt:
In der Tat ein ehrgeiziges Programm, das uns im Haushaltsentwurf vorgelegt wurde. Alles notwendige und sinnvolle Einzelobjekte, die zur Realisierung anstehen. Aus der Forderung der Finanzierbarkeit ergibt sich aus der Sicht der Freien Bürger die Notwendigkeit, Projekte zu verschieben, sowie Einzelmaßnahmen in ihren Kosten zu reduzieren:

Eine vordringliche Aufgabe ist die Investition in Bildung, Erziehung und Betreuung der jungen Generation.
In unserer globalisierten Gesellschaft sind das Wissen und die Fähigkeiten der Menschen der entscheidende Wachstumsfaktor und die wichtigste Voraussetzung für Wohlstand und Beschäftigung. In Zeiten des Geburtenrückgangs und der Überalterung der Bevölkerung sind die Talente und Leistungsfähigkeit der zukünftigen Erwachsenen der größte Schatz, den wir haben.

Daher begrüßen die Freien Bürger die Investitionen in die Erweiterung des Albert-Schweizer-Gymnasiums und in die Grund- und Hauptschule. Allerdings sehen wir hier noch Potentiale zur Einsparung, insbesondere bei den nicht förderfähigen Kosten.

Wir haben neben unseren allgemein bildenden Schulen noch weitere Bildungseinrichtungen in unserer Stadt: Handelslehranstalt, Papiermacherschule, Haus Lautenbach. Es muss unser Ziel sein, diese Einrichtungen im Dialog mit den Trägern zu unterstützen und die Stadt Gernsbach als ein Zentrum für Bildung, Fortbildung und Weiterbildung zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt der Investitionen sind die Maßnahmen im Bereich Abwasserbeseitigung und Gemeindestraßen.
Hier hat die Baumaßnahme zur Erneuerung der Kelterbergstraße, die in Verbindung mit der Neuordnung der Wasserversorgung des Kelterbergs steht, oberste Priorität. Gleiches gilt für das Regenüberlaufbecken Kurpark, das aufgrund gesetzlicher Vorgaben gebaut werden muss. Beides sind Baumaßnahmen der Daseinsfürsorge für unsere Umwelt und die Gesundheit unserer Bürger.

Die Sanierung der Ortsdurchfahrt Staufenberg (3. Abschnitt) sowie der Karl-Götz-Straße sind notwendige Maßnahmen, die in die Wege geleitet werden müssen. Allerdings halten wir einen Beginn in 2007 für nicht realistisch.

Des Weiteren sehen wir uns nicht in der Lage, den sicherlich wünschenswerten Abschluss der Erschließungsmaßnahme Hillau II in 2007 zu realisieren.

Kommen wir zum Thema Stadtentwicklung.
Die Entwicklung der Innenstadt-Mitte ist eine der herausragenden Aufgaben, die sich GR und Verwaltung gestellt haben. Die Freien Bürger haben sich in einer Klausur eigens mit diesem Thema befasst und sind zusammenfassend zu folgendem Ergebnis gekommen:

  • Es gibt keine Lösung, die allen gewünschten Anforderungen gerecht wird.
  • Das beschlossene Verkehrskonzept führt zwar zu einer städtebauliche Aufwertung der Bleich- und der Igelbachstraße, zerschneidet aber gleichzeitig den Bereich Innenstadt Mitte.
  • Der zweispurige Durchstich der Salmengasse zerschneidet die Stadtmitte. Eine erstrebenswerte Fußgängerzone, die sich Richtung Norden entwickeln könnte, ist so nicht möglich.
  • Der geplante Kreisel ist verkehrstechnisch, u.a. im Zusammenhang mit den Schrankenschließzeiten der Stadtbahn ein Hindernis, zudem benötigt er viel Fläche.

In der Abwägung der Vor- und Nachteile ergab sich das folgende optimierte Gesamtkonzept:
Wir verzichten auf den Kreisel. Das Gebäude Igelbachstraße 1+2 wird abgerissen. An dessen Stelle entsteht der Salmenplatz als attraktive Fußgängerzone für urbanes Leben mit hoher Aufenthaltsqualität. Ein Platz für den Wochenmarkt und als Zentrum zum Verweilen.

Zwischen Gottlieb-Klumpp-Straße und Salmenplatz entsteht ein Gebäude für Einzelhandel, Dienstleistung und Wohnen. Die Blickachsen Hofstätte -Salmenplatz, sowie Rathaus-Kelterzentrum bleiben offen. In einem weiteren Schritt erfolgt die Verkehrsberuhigung von Bleich- und Igelbachstraße, Durchgangsverkehr soll aber weiterhin möglich sein. Der zweispurige Ausbau der Gottlieb-Klumpp-Straße wird als Option betrachtet, die bei allen Planungen berücksichtigt werden soll.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Kollegen Gemeinderäte. Stellen Sie sich einmal ernsthaft die Frage: Was wollen, was brauchen unsere Bürger, was braucht der Gernsbacher Einzelhandel? Wollen wir die Menschen in die Stadtmitte bringen oder die Autos?

Viele Probleme, die eine Realisierung unserer städtebaulichen Pläne verhinderten, hängen mit dem Platzbedarf des Kreisels zusammen. Wir hoffen, dass wir Sie überzeugen können , dieses sinnvolle Konzept zu unterstützen. Die entsprechenden Konsequenzen für den Investitionsplan sind dann zu beachten.

Im Februar 2005 beschloss der GR die Einsetzung des Projektausschusses Wirtschaftsförderung mit dem Ziel, die Stadt im Bereich Handel, Gewerbe und Dienstleistung weiterzuentwickeln. In der Tat war dieser Ausschuss bisher in erster Linie ein Diskussionsforum Städtebau. Neben den aktuellen Themen der Stadtentwicklung , die dort vorberaten wurden, ergaben sich darüber hinaus keine Impulse für die Fortentwicklung des Wirtschaftsstandorts Gernsbach. Hier gibt es noch viel zu tun.

Im Investitionsprogramm sind sowohl in 2007 als auch in den Folgejahren hohe Einnahmen aus der Veräußerung von städtischen Grundstücken und Gebäuden vorgesehen. Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre, als diese Erlöse nur zum Teil vollzogen wurden, erwarten wir uns von der Verwaltung ein Vermarktungskonzept für diese Immobilien.

Landschaftspflege:
Ein Thema mit kommunalpolitischer Brisanz und großem Bürgerinteresse ist der geplante kommunale Schafstall, ein Gemeinschaftsobjekt Gernsbachs mit Loffenau. Der favorisierte Standort wird insbesondere von den Bürgern der Nordstadt abgelehnt. Fakt ist, dass ohne Schafbeweidung nicht einmal der vorhandene Standard in der Landschaftspflege erhalten werden kann. Wir begrüßen daher diese Investition. Über den endgültigen Standort muss jedoch noch diskutiert werden.

St. - Erhard-Kapelle:
Eine Sanierung der Fassade ist aus Sicht des Obertsroter Ortsbildes sicherlich wünschenswert. Dennoch gibt es bislang kein schlüssiges Nutzungskonzept. Daher beantragen die Freien Bürger die Mittel für die Außensanierung zu sperren, bis ein solches vorliegt. Dies insbesondere auch, um eventuelle Fördermöglichkeiten abzuprüfen.

Zur Vermeidung der Neuverschuldung schlagen die Freien Bürger folgende Maßnahmen vor:

  1. Eine globale Minderausgabe im Verwaltungshaushalt in Höhe von 300 Tsd. Euro
  2. Verschiebung der Erschließung Hillau II
  3. Aufschub der Sanierung Karl-Götz-Straße
  4. Reduzierung des Ansatzes für die Kelterbergstraße durch Verschiebung auf Ende 2007
  5. Kürzung des Zuschusses für die St.Erhard-Kapelle um 15Tsd. Euro und Sperrung bis zur Vorlage eines Nutzungskonzeptes
  6. Aufschub der Beschaffung des Feuerwehrfahrzeuges (70 Tsd. Euro)
  7. Reduzierung des Zuschusses für die Reithalle gemäß den Vereinsförderrichtlinien.
  8. Begrenzung der Kreditermächtigung auf den Betrag der Schuldentilgung.

Durch diese Maßnahmen reduziert sich der Gesamthaushalt um die 1,267 Mio Euro, die im Entwurf als Nettoneuverschuldung vorgesehen waren. Machen wir uns bewusst, dass wir trotz dieser Kürzungen einen stattlichen Betrag von über 6 Mio Euro in 2007 für Investitionen in die Zukunft unserer Stadt zur Verfügung haben.

Ein Betrag der sowohl den Aufgaben und der Struktur der Stadt Gernsbach gerecht wird , aber auch - und dies ist den Freien Bürgern besonders wichtig- der Finanzkraft der Stadt entspricht.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für die Fraktion der Freien Bürgervereinigung Gernsbach
Uwe Meyer